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Samstag, 15. März 2008

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Frage der Woche: Ist Hamburg die kommende Stadt?

Hamburg, meine Perle

Holger Jung

Samstag, 15. März 2008

Zugegeben, eine Hamburg-Ode mit der heimischen Fußball-Hymne zu beginnen, ist wenig originell. Wenn man aber zu Fußball überhaupt keine Beziehung hat, aber dennoch nur wegen dieses großartigen lokalpatriotischen Treffers von Lotto King Karl (der seine Drogen-Unschuld mit der legendären Begründung beteuerte: "Sehen Sie doch selbst, das Koks ist schon alt ...") ins Stadion gehen würde, heißt das schon etwas.

Hamburg ist wunderschön (und wenigstens konsequent furchtbar, wo es nicht so schön ist. Zum Beispiel die Trasse Hamburg-Hausbruch bis Neu Wulmstorf, wo einem die geballte Tristesse brutal entgegenschlägt). Und allen, die sich so überschlau finden, damit im Umkehrschluss Erstarrung, Langeweile und Undynamik herbei argumentieren zu wollen, sei gesagt: falsche Logik. Hamburg ist nicht superschön, unantastbar perfekt, eine glatte Fassade. Hamburg ist eine Naturschönheit, lebendig, echt, perlend und – allerdings – stilsicher.

Holger Jung ist Mitgründer der Werbeagentur Jung von Matt.

Wenn in Hamburg weiße Luxusautos gefahren werden, dann, weil man diese Farbe (wieder) schön findet. Und exotisch, denn üblicherweise fährt man schwarz oder dunkelblau. Das ist schon anders als in Berlin, wo man weiß gerne mit roter Leder-Innenausstattung kombiniert und dazu passend eine goldene Rolex Submariner mit dunkelblauem Zifferblatt trägt! Der berühmte Eden-Look.

Überhaupt Autos: die sind in Hamburg nicht so wichtig wie zum Beispiel in München. Dort kann man sich ruhig mit einer 1-Zimmer-Wohnung am Rand von Bogenhausen (oder schlimmer) durchschlagen müssen, wenn denn ein roter Ferrari dagegen steht. Oder wenigstens ein BMW M-Serie. In Hamburg darf es zwar gerne ein großes, imposantes Auto sein, aber man definiert sich nicht über Autos.

Wichtig ist: Auf welchem Stockwerk ist die Wohnung?

Eher über sein Zuhause. Dabei kommt es nicht nur auf die Wohnung an sich an (Größe, Ausstattung, Licht, Haus-Ambiente), sondern auf die Lage. Und zwar nicht nur Lage grob, sondern Lage fein: Stadtteil, Straße, Straßenhöhe, Straßenseite und Geschosslage (am besten, man hat das ganze Haus).

Immobilie schlägt Mobilie, so ist das bei uns in Hamburg. Der Cocooning-Trend wurde wahrscheinlich bei uns erfunden und zwar schon vor langer Zeit. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Hamburg verdankt seinen Reichtum dem doppelten M: Meer & Medien.
Beides zwingt – will man Erfolg haben – zu weltoffenem Denken und zum Aufbruch in die Ferne. Im Kopf und auch physisch. Und im Umkehrschluss zu einem gesteigerten Bedürfnis, seinen Ausgangspunkt, also seine Burg, seine Höhle, so perfekt wie möglich zu gestalten. Was natürlich umso besser gelingt, wenn man sich geschmacklich aus dem Topf weltweiter Erfahrungen und Einflüsse bedienen kann. Der Spruch "My home is my castle" könnte aus Hamburg stammen, anglophil genug ist es ohnehin.

Ein Hamburger deklassiert sich nicht freiwillig, indem er einen Prominenten anspricht

Wenn jetzt der Eindruck entsteht, Hamburger seien völlig uneitel, zurückhaltend und höflich bis zur Selbstverleugnung, dann ist das falsch: Auch Hamburger geben gerne etwas an, nur lassen sie andere diesen Job für sich machen. Sie geben auch anderen gerne den Vorzug, sich den Kopf an der Wand zu stoßen, um es dann besser zu machen. Höflich sind sie wirklich, nur hat das mit Selbstverleugnung nichts zu tun. Zum Beispiel deklassiert man sich nicht freiwillig, indem man Prominente anspricht oder gar anhimmelt, man geht ganz natürlich mit ihnen um.

Das nennt man Augenmaß und ist eine wirklich urhamburgische Eigenschaft. Das Hamburger Wetter hat bestimmt das Seine getan, dieses Charakteristikum über Jahrhunderte zu formen, denn zum süßen, sonnigen Sich-treiben-lassen gab es keine Chance. Obwohl man aktuell vermerken sollte, dass Hamburg gegenüber seinem ewigen Wetter-Widersacher München zunehmend aufholt. Und nicht nur da, sondern auch auf dem Pro München–Evergreen "Umland und Freizeitmöglichkeiten".

Hamburg ist das Tor zu Schleswig Holstein, dem letzten touristischen Nugget Westdeutschlands

Denn Hamburg ist nicht nur das Tor zur Welt, sondern auch das Tor zu Schleswig Holstein, dem (zum Glück) noch nicht wirklich entdecktem letzten touristischen Nugget Westdeutschlands. 2 Meere, 120 Seen, die meisten Grün- (Wälder, Wiesen, Felder), Weiß- (Wolken) und Blau (Himmel und Meer)-Variationen der Welt. Dazu Gutshöfe, Reetdach-Kleinode in Serie und die Endmoränen-Landschaft Angelns (da, wo angeblich die Engländer erfunden wurden). Nicht zu vergessen Sylt, wo sich alle treffen, wenn in St. Moritz, St. Tropez und Portofino nix los ist.

Und wenn man von Sylt spricht, ist es nicht mehr weit zum Thema Frauen. Blonde Schönheiten, perfekt gestylt, immer geschmackssicher im Umgang mit den schönsten und begehrtesten Labels der Welt (im Gegensatz zu in diesem Fall Düsseldorf, wo der Umgang mit Premium- und Luxusmarken doch eher quantitativ geprägt ist: je mehr, je teurer, desto besser. Und wo sogar die Spirale beim Frauenarzt von Bulgari sein muss ... Entschuldigung ...).

Das Geheimnis Hamburger Frauen muss man erst ergründen

Cool, wie nirgends sonst, sind unser Hamburger Frauen. Kalt, sagen Kritiker, da kommt doch keine Leidenschaft auf. Tja, wer so leicht aufgibt, mag das Geheimnis der Hamburger Frauen nie ergründen. Eine Elblette ist eben auch nicht für jedermann gedacht.
Übrigens, die besten Örtlichkeiten, um die Schönen Hamburgs geballt anzutreffen, sind einige Hamburger Schulen morgens, kurz vor Acht. Umwerfend die, die sich schon voll aufgerüscht aus den SUV’s mit NF-Kennzeichen (Sylt) zum Abgeben das Nachwuchses in den Klassenzimmern begeben. Hinreißend die, die sich noch (oder schon) im eher lässigen Sportoutfit und ungeschminkt in die Welt gewagt haben.

Über die touristischen Vorteile, Alster, Hafen, das viele Grün in Hamburg, St. Pauli, die Hamburger Luft bzw. Frische etc. pp., brauche ich mich bei dieser Gelegenheit gar nicht auszulassen. Die jährlich anwachsenden Besucherzahlen lassen zu Recht davon ausgehen, dass diese Vorzüge weitestgehend bekannt sind.

Hamburg ist eben mehr als eine Perle und mehr als mein Zuhause: Hamburg ist die schönste Stadt der Welt.

P.S.: Auch für diesen Beitrag gilt die Salvatorische Klausel: Sollten Aussagen oder Teile von Aussagen nicht zutreffend sein, sind die restlichen Aussagen dennoch absolut wahr.

"Die Hamburger sind offensichtlich zu bequem, etwas aus ihrem Talent zu machen"

Ralf Zilligen

Samstag, 15. März 2008

Unbestritten ist Hamburg eine sehr schöne Stadt. Das ist aber auch das Beste, was man über sie sagen kann. Die Stadt wird nämlich maßlos überschätzt, vor allem von ihren eigenen Bewohnern.

Ralf Zilligen ist Chef von BBDO Düsseldorf.

Gediegen sei Hamburg, habe Stil und Klasse. Stimmt, aber erlebbar ist das nur für Hanseaten, die Zugang haben zum inneren Zirkel des Stadtstaates. Zu jenen vermeintlich noblen Netzwerken und Treffen wie dem traditionellen Matthiae-Mahl, wo seit Jahrhunderten ein Standesdünkel gepflegt wird, wie es ihn sonst nirgendwo mehr in Deutschland gibt.

Klasse heißt in Hamburg: Man muss den richtigen Kinderwagen besitzen

Klasse heißt in Hamburg, man muss altes Geld haben, im richtigen Viertel wohnen, die richtigen Freunde haben, den richtigen Kinderwagen besitzen, sonst gehört man nicht dazu. Stil kann man schnell als Arroganz entlarven. Wer nach Hamburg zuzieht, hat damit jahrelang zu kämpfen. In der Kneipe Leute kennenlernen wie in anderen Städten – Fehlanzeige. Hamburger bleiben lieber unter sich und ziehen nur unter größten Widerständen aus ihrer Stadt weg, um ohnehin eher früher als später wieder zurückzukehren. Impulse von außen meinen sie nicht nötig zu haben. Man gibt sich in der Hansestadt gerne international und meint damit Kampen auf Sylt und im besten Fall noch London. Und da natürlich nur Notting Hill und Chelsea.

Der letzte kulturelle Beitrag, der von Hamburg wahrgenommen wurde, war der Aufstieg des Modemachers Karl Lagerfeld in Paris vor Jahrzehnten. In der Kunstszene gilt die Stadt als provinziell. Bedeutende Ausstellungen gehen nach Düsseldorf, Berlin oder München. Und selbst Hamburgs zeitgenössischer Vorzeigekünstler Jonathan Meese zieht es vor, zeitweise in Berlin zu leben und ansonsten in Ahrensburg, also jenem Vorort, auf den waschechte Hamburger gerne mitleidig herunterschauen. Denn nichts ist dem Hanseaten wichtiger als sein Umfeld. Und so sieht man denn auch das junge Bürgertum als geklonte Individualisten durch Eppendorf ziehen. Einstige Viertel, die für Reibung und Aufbruch standen wie die Schanze, St. Georg oder der Kiez, sind längst zu Mainstream-Plätzen für Leute mit dem nötigen Kleingeld in der Tasche geworden. Der normale Hamburger kann sich seine Stadt kaum noch leisten und haust in Billstedt oder Wilhelmsburg. Schön unter sich, wie es sich eben in Hamburg gehört.

Das vermeintliche Tor zur Welt ist ein Tor in die Vergangenheit

Während sich etwa in Berlin und Düsseldorf längst eine neue Form der Kreativitätswirtschaft formiert, in der Architekten, Künstler, Werbe- und Verlagsleute, Filmemacher, Wissenschaftlern und Designer zusammenrücken und gemeinsame Projekte initiieren, bleiben die Zirkel in Hamburg unter sich. Damit riskieren sie jedoch, den Anschluss an die neue Wirtschaftsklasse zu verlieren, die immerhin schon weltweit 10% des Wirtschaftswachstums generiert. In Hamburg setzt man lieber auf traditionelles Geschäft wie den Container-Hafen. Das vermeintliche Tor zur Welt ist vor allem ein Tor in die Wirtschaftsvergangenheit. Dabei hat Hamburg eigentlich ein unglaubliches Potenzial an kreativer Energie, würde man sie denn geschickt zusammenführen. Die Werbe- und Verlagszene ist mit vielen Talenten gut bestückt, die aber offensichtlich zu bequem sind, wirklich etwas daraus zu machen, sich zu inspirieren und gegenseitig aufzustacheln.

Am Ende bleibt Hamburg seltsam konturen- und kulturlos. Es gibt noch nicht mal eine Bier- oder Weinkultur in dieser Stadt. Es gibt keinen Aufbruch und kaum noch Reibung. Das bedeutet aber Stillstand und das merkt man an jeder Ecke in Hamburg, wo man pittoresk sitzen kann, aber nach einer Stunde nicht mehr weiß, ob ein paar Minuten oder gar Jahre vergangen sind. Dazu passt auch, dass Hamburgs Vorzeigestraße Jungfernstieg gerade für Millionen aufgepeppt wird. Natürlich ist der Blick auf die Fontäne an der Binnenalster schön. Aber mehr eben auch nicht. Die Stadt droht schlicht, in Schönheit zu sterben.

"München swingt, Hamburg ist Polonaise"

Paul Sahner

Samstag, 15. März 2008

Sie hieß Birgit und kam aus Blankenese. Ihr Vater war reich. Ihre Mutter schaffte an. Das Haus in der Herbertstraße, wo deren Freier verkehrten, gehörte ihrem Vater.

Paul Sahner ist Chefreporter der "Bunten".

Birgit war blond und wild. Sie kannte die Beatles. Einer von ihnen, George Harrison, kannte ihre Mutter. "Ziemlich gut", sagte Birgit, als ich sie am Timmendorfer Strand kennenlernte. An jenem Wochenende war ich mal wieder hoch getrampt. Ich kam aus Fissenknick. Das heißt wirklich so, und liegt im Lippischen, wo auch Gerhard Schröder und Frank-Walter Steinmeier herkommen. In dieser Ecke ist man gierig auf Leben. Was soll ich sagen: Hamburg war für mich die ganz große Welt. Damals. 1962 fing das an. Im Starclub starteten die Beatles ihre Weltkarriere. Im "Top Ten" röhrten die Kinks "Lola", die Searchers näselten "Needles and Pins", und Herman Hermits schnulzten "No milk today". Am Fischmarkt gab es reichlich Shit. Und an den Wochenenden zog die Karawane von Töchtern und Söhnen der Pfeffersäcke an die Ostsee. Nachts wurde am Strand gesoffen, gekifft und dann war Showtime. Das erste nackte Paar wurde prämiert. Das war Hamburg.

Hamburg ist etwas für den Ruhestand

"Du bist so dumm wie Ribbentrop", musste sich der junge Karl Lagerfeld gelegentlich von seiner strengen Mutter beschimpfen lassen. Diese Geschichte hat insofern mit Hamburg zu tun, als Lagerfeld dort geboren wurde und aufwuchs. Warum, fragte ich ihn auf seinem Landsitz in Biarritz, war Ihre Mutter so böse? Lagerfeld: "Sie war wirklich frech wie Straßendreck. Aber diesmal meinte sie es gut mit mir. Sie sagte: Hamburg ist das Tor zur Welt. Also renn ganz schnell raus. Hier bringst du es höchstens zum Zeichenlehrer."
Der kleine Karl türmte schnurstracks nach Paris. Auch sein Hamburger Anwesen veräußerte er später. Den Grund erklärte er mir so: "Weil es auf der Terrasse ein unheimliches Echo gab. Ich hörte dort die Stimmen meiner Eltern. Außerdem fand ich, dass Hamburg etwas für den Ruhestand ist."

Mag sein, dass Hamburg tatsächlich von allen guten Geistern verlassen ist. Zumindest Gerhard Meir, der Starfriseur ist nach siebzehn Jahren reumütig in seine Heimatstadt München zurückgekehrt. Seine Hamburger Dependance ist geschlossen. Er erinnert sich: "Die klassische Hamburgerin trägt Perlenkette, Twinset, Jil Sander, selbstverständlich allerbeste Qualität. Der Gatte sieht sich als Landlord, Barbourjacke, handgenähte Budapester, Landrover. Und dann gibt es da Ole von Beust, den charming boy, dem keiner böse sein kann. Nicht zu vergessen die Werber, gegeelt, schmale Krawatte, spitze Schuhe. Höchst dynamisch. In ihren Prada-Anzügen sehen sie aus wie eine Mischung aus jungem Törless und Boss-Werbung."

In Hamburg verdorrt die Subkultur

"In Hamburg verdorrt auch die Subkultur," polemisierte kürzlich die Münchner Schriftstellerin Harriet Köhler. Ausgerechnet "Die Zeit" gab ihr ein breites Forum. Deren aus München stammender Chefredakteur Giovanni di Lorenzo: "Die wahre Gegenspielerin von München ist nicht Hamburg und von Hamburg nicht München. Beider Städte Rivalin ist Berlin. Beide Städte, München und Hamburg, beide schön, beschaulich, wohlhabend, sind sich ähnlicher als sie glauben.

Allerdings: Man muss die Benimmregeln kennenlernen. Hamburger sind großartige Gastgeber. Aber wehe, man ruft an und sagt: "Gehen wir in zwei Stunden Nudeln essen?" Das klingt als würde man fragen: "Gehen wir heute in den Puff?"
Und in München, Giovanni? "Die Münchener Frauen, die ich kenne, sagen: "Wenn dich in Hamburg ein Mann anschaut, denkst du: Oh Gott, habe ich einen Fleck auf dem T-Shirt?"

Der Hamburger trägt die Nase noch höher, wenn der Wind aus Süden bläst

Auch mich hätte es vor elf Jahren fast nach Hamburg verschlagen. Der damalige Chefredakteur eines Blattes, das Jahre zuvor mit den legendären Tagebüchern eines Fritz Hitler einen globalen Überraschungscoup gelandet hatte, machte mir ein verlockendes Angebot, hanseatisch direkt: "Wir haben hier ein paar ältere Sesselfurzer, die ich durch jüngere Kollegen ersetzen möchte." Ich war damals aber auch schon 52 und sagte ab. Er reagierte so, wie ich es erwartet hatte: "Typisch München. Sie wollten doch nur Ihren Marktwert steigern." – Ich hatte gelernt: Der Hamburger trägt seine Nase noch höher, wenn der Wind aus Süden bläst.

Vielleicht hatte er auch ein bisschen Recht. Aber eigentlich wollte ich nur in München bleiben. In München ist es wärmer als in Hamburg. Und das liegt nicht an der Sonne. Hamburg versucht zu leben, München lebt. Na schön, Hamburg hat Ammer, Bohlen und Eva Herman. Lauter tolle Leute. Aber wenn sogar Ronald Barnabas Schill die Stadt verlässt, hat das ja nicht nur mit Koks zu tun. Damals, als er sich zur Wahl stellte, riefen viele Hamburger Meinungsmacher und Society-Größen bei BUNTE an: "Das ist einer. Der möbelt alles auf. Mit dem müsst ihr unbedingt ein Interview machen. Der hat das Zeug zum Kanzler." Als Schill sich dann in seinem Größenwahn selber hinrichtete, wollte keiner mehr daran erinnert werden, der ihn als Messias bejubelt hatte.

München hat Bayern, Hamburg den HSV. FC St. Pauli, immerhin, gefällt mir besser als die Löwen. Die Jungs von Millerntor erinnern an die großartige Zeit mit Birgit und den Beatles, als Hamburg noch swingte. Heute swingt München, Hamburg ist Polonaise.
Und nun die Antwort. Nein, Hamburg ist nicht die kommende Metropole. Vielleicht für einen Kollegen, der dieser Tage von Hamburg nach Berlin übersiedelt: "Hamburg finde ich großartig und wenn Hamburg und Berlin zusammenwachsen, bekommt München Probleme." Mit dem Zug, so seine Rechnung, seien es gerade mal 90 Minuten. Keine dumme Idee: Berlin frisst Hamburg. Ein Fall für Werber. Holger Jung, übernehmen Sie! Und wenn sie Rat brauchen: Einfach Roland Berger anrufen. In München.

Hamburg ist reich und wahnsinnig langweilig

In Hamburg lebt ein in ganz Deutschland überaus beliebter Meinungsmacher. So berühmt ist er, dass die Hamburger sich gern mit ihm schmücken. Da sich das nicht ändern soll, bittet der Mann anonym zu bleiben. Gern. Was aber hat er inkognito zu sagen? "Hamburg gibt sich liberal, ist reich und wahnsinnig langweilig. Kürzlich war eine alte Lady der feinsten und reichsten Gesellschaft meine Tischdame. Ich fragte, warum sie und ihresgleichen nichts für die Kultur tun? "Wir packen unser Geld nicht in Kunst, sondern aufs Kontor," meinte sie ehrlich.

Das Schönste an Hamburg ist das Taxi zum Flughafen. Als ich meine Wohnung am Münchener Viktualienmarkt aufschloss, lief auf unserem CD-Player mal wieder "Frauen regieren die Welt", der Lieblingssong meiner Frau Martina. Und irgendwie hat mich Roger Cicero, der Hamburger Jazzsänger, einen Tag später mit seiner Heimatstadt versöhnt. Nach seinem großartigen Konzert in der Münchener Philharmonie letzten Dienstag sagte er: "München hat das tollste Publikum überhaupt."
Alles Roger. Der Mann weiß, was gut ist.

pro

Dienstag, 01. April 2008, 11:54:52

Sabrina Sallach aus ehemals Düsseldorf, jetzt Hamburg: Hamburg ist ein Synonym

...für Stil, Offenheit, Charme, ehrliches Wetter, Wind, Weltstadt.

Eine kleine Ode an Hamburg....

Lange in Düsseldorf gelebt, viele Städte gesehen und erlebt, weiss ich, wovon ich spreche. Es ist keine Phrase, denn Hamburg ist eine PERLE!

Düsseldorf ist ein Dorf und wird es bleiben, kulturell weit hinter Köln (weit, ohja!!!), schon lange keine Modestadt mehr und nun, man sucht schon lange, bis man eine wirkliche Philosophie erkennt. In Düsseldorf möchte man gern, kann aber nicht richtig. Menschen, die die Stadt für die Einwohner attraktiver gestalten wollen, werden des Platzes verwiesen. Schönstes Beispiel war der einzige Beachclub. Nun ist die Stadt am Rhein eben ohne Sommer-Strand-Location.

Und genau darum liebe ich Hamburg. Die Stadt ist konservativ und trendbewusst zugleich. Sie ist einfach ehrlich. Sie ist sicher nicht hip und wird niemals sein wie Berlin. Aber das ist auch nicht ihr Anspruch.

Ich bin Hamburg...


contra

Freitag, 21. März 2008, 13:03:13

Wolfgang G. Runte aus Kosmopolit: Hamburg die kommende Sadt?!

Solang "Malle" und nicht Sylt zum 17. deutschen Bundesland deklariert sind, wird München seine Vorreiterrolle behalten. Warum? Schon geographisch bedingt: München ist die nördlichste Stadt des Südens.

Und die Mehrheit der Bürger schätzt den Süden, nicht die Süderstraße (ziemlich traurige Straße durch ein Gewerbegebiet im Süden von HH). Erstaunlich nur die sehr leichte, standardisierte Analyse von Holger Jung. So entzaubert sich HH von ganz alleine.

HH: zugeknöpft - B: großspurig - M: schau`n mer mal und grant'ln a bisserl liebenswert.

P.S.: Die neue, heimliche Stadt ist doch Köln. Als Phönix aus der Asche verwandelte die Stadt ihre proletische Tristigkeit in ein ambitioniertes, neues Flair eines modernen Ambientes der Dienstleistungsgesellschaft.


contra

Dienstag, 18. März 2008, 15:59:20

Holger Hering aus Düsseldorf : Barmbeker Bilder

Ein Samstag in Hamburg. Verlasse gegen 21.00 Uhr die S-/-U-Bahn-Station Barmbek. Polizeiauto und rotes Flatterband. Vor einem Geschäft eine rote Blutlache.

Gehe erstaunt an zwei Afro-Kneipen mit afrikanischem Musikfernsehen vorbei. Andere Hautfarbe, gleiche Bedürfnisse. Besuche einen Discounter. Der Smalltalk an der Kasse offenbart die Hamburger Klassengesellschaft, hier also die neue alte Unterschicht.

Kurz noch McDonalds. Beim Verlassen kommt mir ein Kind entgegen. Es fängt an zu kotzen. Zum Glück beugt es sich zur Seite. Zurück zur S-/-U-Bahn-Station Barmbek. Auf dem Bahnsteig wankelt eine Mittvierzigerin Richtung Fahrplanaushang, geht in die Hocke und uriniert. Wohl bekomm’s.

Derweil erfahre ich tags darauf beim Architekturrundgang in der neuen Hafencity, wie Hamburger Klassengesellschaft weiter separiert: luxus only, please. Berlin hatte die Mauer. In Hamburg trennt die Elbe Arm und Reich, Wilhelmsburg von Blankenese.


neutral

Dienstag, 18. März 2008, 13:07:58

Oliver Steinkamp aus Regensburg: Hamburg für mich nur die Nummer zwei in Deutschland

Ich kenne Hamburg gut, bin dort einige Jahre zur Schule gegangen und habe dort studiert. Äußerlich sicherlich eine sehr schöne Stadt mit viel Platz, viel Wasser, viel Grün und in weiten Teilen sehr geschmackvoller Architektur. Doch Hamburg ist sehr bürgerlich und etwas langweilig.

Das Leben der Hamburger findet überwiegend hinter verschlossenen Türen statt. Kaum bietet sich mal ein florierender Bezirk der Subkultur - wie früher das Schanzenviertel - wird er schnell von einer betuchteren Klientel vereinnahmt. Und was die Hamburger Mentalität angeht: es gibt hier oft eine gewisse Sprödigkeit und Steifheit bis hin zu menschlicher Kälte. Eigenschaften die man nach meiner Erfahrung im Rheinland, Süden oder Osten Deutschlands nicht in diesem Maße antrifft. Für mich gibt es nur eine wahre Metropole in Deutschland. Vom Stadtbild her nicht überall so schön wie Hamburg, aber jung, dynamisch, interessant, ziemlich locker, riesengroß und überaus vielgestaltig: Berlin. HH für mich nur die Nummer 2.


pro

Dienstag, 18. März 2008, 11:31:22

Christoph Labisch aus Hamburg: Die schönste Stadt der Welt?

Jedes Mal, wenn ich wieder auf Radio HH höre, dass meine Stadt die schönste der Welt sein soll, muss ich schmunzeln. Mir fallen spontan etliche Städte ein, die es locker mit HH aufnehmen können: Barcelona, San Francisco, Prag... Da ist wohl bei einigen Moderatoren der Wunsch Vater des Gedanken - oder sie haben noch nicht viel von der Welt gesehen.

Aber von allen deutschen Städten ist mir HH doch am liebsten. Berlin: Zu chaotisch, kein Stil (man betrachte nur mal die Kleidung der in der City flanierenden Menschen). München: Schöne Stadt, super Lage, aber zu teuer, zuviel Schickimicki, zuviel Zeigen, was man hat. D´dorf: Schöne Lage, schöne Menschen, tolle Altstadt - aber eben arg klein. Als ich im Medienhafen war, staunte ich, dass man soetwas schon Hafen nennen darf).

BMW verkauft nach HH die meisten 7er ohne Typenschild. Es reicht doch, wenn der Nachbar sieht, dass man einen 7er fährt. Warum muss er wissen, dass es der 12 Zylinder ist?! Deshalb fährt der Hamburger keinen Rolls.


pro

Dienstag, 18. März 2008, 07:42:15

Manfred Sauer aus jaja, das hatten wir schon...: sorry @joern

hab Deinen Kommentar ueberlesen, dass Du ca. 2,5 Jahre in HH "gelebt" hast, ABER "Reibung" gibt es mehr als genug in HH (s. meinen Kommentar zu einschlaeg. Artikeln in dieser Zeitung UND speziell den (redakt.) Beitrag zur "Roten Flora").

Ich hab die Auseinandersetzungen in der Hafenstrasse "LIVE" miterlebt, hatte Wasserwefer vor meiner Whg., bin auf Demos gegangen, hab mit "Punks" gesoffen und geraucht, hab Drogenabhaengige (als sie die Nadel noch im Koerper hatten) vor meiner (Werkstatt-)Tuere in der Schanze "verscheucht", hab dort einfach "gelebt" (wie auch in allen anderen Staedten...) was Du gemacht hast war wohl eher ein "Ausflug", "leben" ist was anderes !!

Viel Spass damit in Ffm.


pro

Dienstag, 18. März 2008, 07:09:10

Manfred Sauer aus wie gesagt aus vielen verschiedenen....Nbg, hab ich ausgelassen : Ho Brauner.....

@Joern,
ich weiss ja nicht wie LANGE Du in HH gelebt hast und vor allem WANN !!--Wenn ich so an "alte Zeiten" (besonders) in der Schanze zurueckdenke, dann faellt mir nicht nur die totale Yuppisierung dieses Viertels auf, sondern auch die Tatsache, dass man nicht mehr bei jedem 2. Schritt in Hundekacke tritt, sondern nur bei jedem 10. (zu dem Thema s. einschl. Artikel in dieser Zeitung).

Du willst mir ausserdem doch nicht erzaehlen, dass Ffm KEINE oeden Ausfallstrassen hat, oder ?? --Was ist denn die NW-Stadt, etwa KEIN Ghetto ???--Was Dich letztendlich aus HH vertrieben hat, bleibt Dein Geheimnis, aber Deine "Gruende" kauf ich Dir nicht ab.
Du hast Recht was Nbg. anbelangt (da hab ich ca. 8 Jahre lang auch gewohnt, aetsch !!!), aber selbst DA gibts Ghettos + Ausfallstr.

Willkommen in der "realen Welt", die mit Sicherheit NICHT "Frankfurt" heisst, sondern da wo sich das "echte Leben" abspielt, naemlich in HAMBURG !!!

HH 4EVER !!!


contra

Dienstag, 18. März 2008, 01:03:42

Pascal Loewe aus Hamburg: Leservoting repräsentativ?

Die Leserumfrage, die jetzt Hamburg vorne sieht, ist nicht repräsentativ. Technisch mangelhaft implementiert, konnte man mehrere Stimmen nacheinander abgeben, die offenbar alle gezählt wurden. In Hamburg skandieren Lokalmedien tagtäglich "Hamburg ist die schönste Stadt der Welt" und schwelgen in zweifelhaften Superlativen. Die Bürger stört das nicht. Im Gegenteil, sie reden genauso, und viele kaufen sich Souvenirs der eigenen Stadt.

Hamburg ist eine Stadt der falschen Oberflächen, die ganze Stadt eine einzige Werbeagentur. Man hat hier wenig Sinn für Echtes und verteidigt verbissen das Ansehen der eigenen Stadt.

Insofern würde es mich nicht wundern, wenn das FAS-Leservotum für Hamburg nur zustande gekommen wäre, weil ein Hamburger im Schutz der Anonymität eine ganze Nacht lang 1000-mal für Hamburg gevotet hat.


neutral

Montag, 17. März 2008, 23:48:03

Gandolf Hübinger aus Aus der Hauptstadt: Hafencity ist Dubai an der Elbe

@Holger Jung: Schmissige Analyse, aber allzu verräterisch. Mit oder ohne hanseatischem Understatement, es geht letztlich um drei Dinge: Geld, Geld und Geld. Das ist an der Elbe natürlich gut versteckt. Zum Beispiel in Harvestehude.

Dort findet man Jung’s pferdezöpfige Werbetussies mit high heels und Designerjeans (wenn sie ein Verhältnis mit dem richtigen Pfeffersack haben sogar mit SUV) - zusammen mit einer erschütternd hohen Kinderarmut.

"Immobilie schlägt Mobilie" – Falsch! Als Hamburger weiß man, lieber Herr Jung, was es zu bedeuten hat, wenn am Samstag Nachmittag eine Phalanx dunkelgrauer Golfs und Audis am Epppendorfer Baum steht: Privatvermögen (Nicht Einkommen, wohlgemerkt, das würde ja Arbeit bedeuten) im achtstelligen Bereich.

Für meinen Geschmack haben es in Ihrem Artikel verpasst, die oft beschworene Verbrüderung der Hamburger Gesellschaft mit einschlägigen Kiezgrössen (Nicht Herr Osmani, keine Angst!) zu erwähnen. Money meets Miljöh, Herz von St. Pauli und so weiter…


contra

Montag, 17. März 2008, 19:08:40

Joern Beneken aus Frankfurt: Schönste Stadt der Welt?

Genau diese Aussage ist es was HH so unsympathisch macht. Ich meine wo halten die Leute sich auf? Gehen Sie auch mal über den Innenstadtkern hinaus, auf die endlosen öden Ausfallstrassen mit ihren häßlichen Backsteingebäuden die kalt und abweisend sind. Die mittelmäßige und langweilige Architektur die alles andere als weltstädtisch ist.

Selbst in Nürnberg ist man mutiger. Und Neid kommt da bestimmt nicht auf. Ich hätte in HH wohnen bleiben können, aber ich entschied mich für die reale Welt und nicht für dieses Abbild eines Kurortes mit vorgelagerten Ghettos.


pro

Montag, 17. März 2008, 14:58:34

Achim Blissenbach aus Düsseldorf: Hamburg sucht seines Gleichen

Hamburg ist nicht nur die kommende schönste Stadt Deutschlands, sie ist für mich bereits heute die lebenswerteste, schönste, toleranteste, (welt)offeneste, grünsate, abwechskungsreichste, wohnlichste Stadt Deutschlands mit den tolerantesten und weltoffenensten Menschen.

Ich gebe zu, ich habe einige Zeit gebraucht, um das zu erkennen, aber heute ist mir klar, dort möchte ich eines Tages auf Dauer leben.

In Hamburg findet man die ganz Welt im Kleinen, aber das in seiner schönsten Form. Und dass es in Hamburg immer nur regnet und grau ist, stimmt nicht.

Ich werde zwar für einige Zeit dieser Stadt den Rücken kehren, aber ich weiß, dass ich eines Tages zurückkehre. Denn die Sehnsucht ist groß und die Liebe wird bleiben.


pro

Montag, 17. März 2008, 14:25:44

Thomas Wenzel aus zugereister Hamburger: Hamburg die schönste Stadt der Welt

Unter den Großestädten hat HH viele Vorteile zu bieten, nämlich eine MillionenMetropole mit dem Flair einer Kleinstadt.

Das mag daran liegen das HH die Grünste unter den großen ist oder halt knapp so groß wie Berlin nur die Hälfte der EW hat. Hier geht man sich nicht so auf den Geist. Es gibt wenig Dränglerei.
In manchen Punkten ist HH ein Dinosaurier. Nicht nur weil der HSV niemals die 1. Liga verlassen musste sondern weil sich Tradition bezahlt macht.
Und da können sich unsere Tradionsbewussten Münchner eine Scheibe abschneiden. Aber HH ist auch Geschmackssache man liebt sie oder man hasst sie.
Ich hoffe auf weiterhin viele schöne Jahre in der schönsten Stadt der Welt. Und Frankfurt das Tor zur Welt? Vielleicht zur Phantasiewelt, es liegt ganz günstig für den Flugverkehr aber das war es dann auch schön. Die meisten die ich kenne die da unten leben finden Frankfurt nicht schön und meine Erfahrungen sind ehr bitter als gut.


pro

Montag, 17. März 2008, 02:44:43

Manfred Sauer aus Ffm, HH, Tucson: Da gibt's kein Wenn und Aber....

Nachdem ich in Ffm aufgewachsen & zur Schule gegangen bin, verschlug es mich fuer 10 Jahre nach HH. Ich bin mehr ein HHler, denn Ffmler, weil HH sooo viel mehr zu bieten hat und architektonisch trotz aller Unkenrufe eine Perle ist. JEDER sollte sich selbst ein Bild machen und einfach dort LEBEN, es ist die Muehe mehr als wert !!

Das Ffm "Flair" (sofern vorhanden) konnte ich noch nie spueren, wohingegen HH als Grossstadt durchaus ein solches besitzt und einen quasi adhoc "heimisch" werden laesst. ...Man kann es nicht beschreiben, man MUSS es erleben !! -- Alle meine Freunde aus Ffm und anderen Staedten, die mich (wahrscheinlich deswegen so haeufig) besuchen kamen, sehen das genauso...In Muenchen verbrachte ich Teile meiner Jugend (Oma+Opa, u.a. "Bund"), auch dieses Kaff kann sich nicht mit HH messen...In D-dorf war ich auch mehr als einmal, da ist der (Nach-)name Programm: DORF !!
Ich meine, dass ALLE einfach nur neidisch auf HH sind, selbst Berlin kann nicht mithalten. HH 4EVER !!


pro

Sonntag, 16. März 2008, 22:23:11

Peter Bollmeyer aus Buchholz/Nordheide: Hamburg hat Ecken und Kanten,

weil man sich da an Elbe und Alster wenigstens noch mal richtig den Wind um die Ohren pfeifen lassen kann, ohne gleich nach Bremerhaven, Cuxhaven oder sonstwo an die Nordsee fahren zu müssen.

In Hamburg konnte man z. B. den A380 über der "Queen Mary" fliegen sehen, dabei aus der U-Bahn heraus auch noch andere interessante Teil der Stadt sehen. Hamburg hat für die Menschen besonders viel zu bieten, die Fernweh "erleiden" möchten, ohne gleich ein Ticket kaufen zu müssen. Entlang der Elbe kann man wunderbar von fernen Ländern träumen......jetzt muss ich aufhören, sonst muss ich noch einen Topf für das auslaufende Schmalz aufstellen. Es soll aber in Deutschland noch andere schöne Gegenden und Städte geben...habe ich gehört, glaube ich auch.
Schöne Grüße aus dem südlichen Randgebiet um Hamburg, Peter Bollmeyer


neutral

Sonntag, 16. März 2008, 19:39:14

Jens Schmidt aus Frankfurt am Main (gebürtiger Hamburger): Der große Hamburg-Hype

Ja, ich bin gebürtiger Hamburger, habe 28 Jahre in HH und Umgebung gelebt und bin inzwischen weiter im Süden gelandet.

Ich erinnere mich noch gut an jene Zeiten, als Hamburg "hanseatisches Understatement" pflegte und vielerorts, selbst in der Innenstadt, einen versifften Eindruck hinterließ. Dann kamen Projekte wie Airbus und HafenCity, die Innenstadt und Stadtteile wie Eppendorf motzten sich zunehmend auf. Und plötzlich wurde Hamburg noch "schicker" als München oder Düsseldorf. Also entwickelte man die hohe Kunst, immer noch so zu tun, als würde man sein Licht vornehm unter den Scheffel stellen - aber bitteschön so, dass jeder es merkt.

Das Gute am Hamburg-Hype ist, dass nun endlich auch die Bayern erkennen, dass nicht nur München schön ist. Aber schön und spannend sind andere deutsche Großstädte auch - nicht mehr und nicht weniger als Hamburg. Drum ist vielleicht morgen wieder eine ganz andere Metropole in, wer weiß das schon? Nichts ist so unbeständig wie die Mode.


neutral

Sonntag, 16. März 2008, 19:02:53

Andreas Bauer aus Wien: So oder so

Nun, aus Wien kommend ist eigentlich jede deutsche Stadt, rein architektonisch betrachtet, eine kleine Katastrophe für sich. Aus touristischer Sicht hat München die Nase vorn, der rücksichtsvolle Wiederaufbau nach dem Weltkrieg hat sich gelohnt: Schöne Häuserensembles, historische Innenstadt, etc...

Auf München folgt Hamburg, dass auch seine schönen Ecken hat. Persönlich finde ich Hamburg viel offener als Wien oder München, daher gefällt mir die Stadt im Norden in dieser Hinsicht besser. Architektonisch gibt es aber eine Menge Bausünden, über die sich zu meiner Verwunderung kaum jemand aufregt! Abgesehen von ein paar Straßenzügen rund um die Binnenalster gibt es kaum Höhepunkte.
Ob es eine "kommende Stadt" liegt vielleicht auch an der Bevölkerungsentwicklung, die ja in Deutschland allgemein aufgrund der niedrigen Geburtenrate rückläufig ist. Es gehen allgemein die jungen Menschen aus.....
So schaut's aus :)


contra

Sonntag, 16. März 2008, 18:57:55

Joern Beneken aus Frankfurt: Frankfurt das Tor zur Welt!

Als erstes möchte ich erwähnen, dass kein Ergebnis solcher Statistiken die subjektiven Empfindungen ersetzen kann. Ich habe 2,5 Jahr in HH gelebt und diese Stadt wird total überschätzt, vor allem von ihren Bewohnern.

Es feht an Internationalität ( ein Hoch auf FFM), es fehlt an Reibung und Inspiration, da jeder in seiner abgeschirmten Welt lebt und HH ein ausgedehnter Hort der Langeweile ist.
Ich habe mich für FFM entschieden, denn diese Stadt ist international, polarisiert und hat alles zu bieten was eine Metropole braucht und das auf kleinem Raum, so entsteht wahre Spannung.


contra

Sonntag, 16. März 2008, 18:02:42

Hans J. Gotta aus Halstenbek: Dorf bleibt Dorf

D'dorf – liegt das nicht irgendwo bei Köln?


pro

Sonntag, 16. März 2008, 17:59:07

Karl-Heinz Andresen aus HH: Schönheit kommt auch in HH von Innen.

Allerdings dauert es in HH länger, sie zu erkennen.

Die besondere Qualität, die der Begriff Hamburg - es ist eben nicht allein die Stadt - ausmacht, ist einem Nichtnorddeutschen, ebenso einem weniger als Fünf bis zehn Jahre Hierlebenden - an einem Stück, wohlgemerkt - kaum zu vermitteln.

Es ist nicht die Schönheit von Gebäuden und bestimmten Plätzen, nicht der Menschenschlag, schon gar nicht das Wetter, nicht einmal der - durchaus auch gelebte - globale Anspruch - jedenfalls nicht allein -, was jemandem eine unbedingte Bindung hierher vermittelt.

Es könnte die ( mitunter: staub- ) trockene Art sein, die einem entgegenschlägt. Das mag einer mit Arroganz verwechseln. Dabei verbirgt sich dahinter die köstliche Art von Humor, die nur hier verstanden wird, vielleicht noch in Großbrittannien.

Direktheit in der Meinungsäußerung wird allzuoft mit Unhöflichkeit verwechselt ebenso Wortkargheit und Ironie.

"Rühm Haart und klaar Kimming" ist viel mehr als Mut und Weitblick.


contra

Sonntag, 16. März 2008, 17:20:58

Markus Siebold aus Düsseldorf: Hamburg - leider nicht so trendy wie Berlin

Ich finde es sehr amüsant die Städte Düsseldorf und Hamburg zu vergleichen. Ich meine ist das fair? Eine eher kleine Stadt am Rhein mit einem Viertel der Einwohner gegen die Metropole an der Elbe?

Da ich meine (Arbeits-)Zeit auftreilen muss zwischen Düsseldorf, Hamburg und München, würde ich trotzdem Berlin den Status der kommenden Metropole verleihen. Nur dort geht es wirklich kreativ zur Sache, kann sich jeder austoben und (fast) alles ist erlaubt.

Ja - die Rheinländer sind viel zugänglicher (gehen sie mal in eine Düsseldorfer Brauerei-Kneipe - das dauert keine 5 min und sie sind in ein Gespräch verstrickt - das gibbet nicht in Hamburg...). Aber das ist nunmal nicht alles. Schick sind die Leute sowohl in Hamburg, Düsseldorf und München - da tun sich alle nicht viel. In Berlin ist das aber anders - nur trifft man die jungen Designer und Leute,d ie sich was trauen.

Hamburg ist zu sehr mit sich selbst beschäftigt - da ist nicht viel Platz für neues...


pro

Sonntag, 16. März 2008, 17:14:38

Alex Kellner aus Düsseldorf: Hamburg, meine Perle!

Hamburg ist - da gibt es nichts zu deuten - die schönste Stadt Deutschlands!

Und von der Standort- und Lebensqualität als einzige deutsche Großstadt am MEER einfach unerreichbar:
wer will sich denn schon mit einem Haufen Jagertee-seeliger Ballermänner und Platinblonder Apres-Skihaserl zu Kirmes-beats auf einer stinkigen Hütt'n herumbalgen?

Nein! Lieber hart am Wind mit salzigen Lippen und Gischt im Haar.

Mit viel Wasser und luftigen Freiflächen rund um Vater Rhein kann allerdings auch das schöne Düsseldorf punkten.
Auch wenn es sich sicherlich nicht mit den 3fach grösseren Metropolen Hamburg und Berlin messen kann - schon gar nicht mehr seit dem brain-drain an die Spree während der 90er.
Das größte Plus der Landeshauptstadt von NRW sind aber die (verbliebenen) Rheinländer, die mit ihrer herzlichen, humorvollen, weltoffenen Art jedem Gast an der längsten Theke der Welt beim besten Bier der Republik die Nächte kurz werden lassen.


pro

Sonntag, 16. März 2008, 16:47:46

TOBIAS RÜGER aus Frankfurt: Hamburg - total überschätzt und trotzdem eine super Stadt

Eine typische Eigenschaft der Hamburger ist es zweifellos, ihre Stadt 'schön' zu finden. Nicht, dass es nicht malerische Anblicke und hervorragende Einzelgebäude gäbe, aber Hamburg ist nicht schön, eher verbaut und zerfasert. Allerdings ist Schönheit nicht das wichtigste an einer Stadt.

Ich würde trotzdem niemals nach Hamburg ziehen, dafür sind mir die Hamburger zu langweilig. Aber ich bin oft dort und habe immer eine gute Zeit. Die Frage, ob Hamburg überschätzt wird, ist also - wie immer, wenn mit solchen Kategorien hantiert wird - eine Frage des Anspruchs.
In einem jedenfalls wird Hamburg mit Sicherheit nicht überschätzt: als Standort von Handel und Wirtschaft - der Jahrhunderte alte Hafen, diese hochagile Drehscheibe von Waren und Menschen, hat tiefe Spuren in der Mentalität der Hamburger hinterlassen.
Dass Hamburg hinsichtlich Hoch-, Alltags- und Lebenskultur München, Wien oder anderen Städten des Südens das Wasser reichen könnte, ist allerdings ein Gerücht.


contra

Sonntag, 16. März 2008, 16:39:58

Rolf Jonasson aus Flensburg und Hamburg: Überschätzt?

Das ist schon sehr, sehr lustig: Ausgerechnet ein Düsseldorfer behauptet, Hamburg werde überschätzt, insbesondere von seinen Bewohnern. Zur Begründung wird auf eine angeblich fehlende Wein- und Bierkultur verwiesen.

Nun bin ich beileibe kein Biertrinker und in Hamburg nur zugezogen, aber: Ich kenne Düsseldorf und seine abgebliche Altbeirkultur plus den Karneval recht gut. Und ich muss sagen, die Kölner haben völlig recht: Düsseldorf wird grundlos aber gründlich überschätzt!

Und der Herr Autor leidet vor allem an einem: Selbstüberschätzung....


pro

Sonntag, 16. März 2008, 13:56:09

Willi Timm aus Neuruppin: Hamburg, von seinen Bewohnern überschätzt?

Ja wer soll denn sonst ein Urteil über die Stadt in der er lebt abgeben. Keiner kennt Hamburg besser als seine Bürger.

Ich war mehrmals als Tourist dort und Hamburg hat mir sehr gefallen. Ob das reicht, um über "die kommende Stadt Hamburg" fundiert zu urteilen, weiß ich nicht.
Ich denke, eine Stadt ist gut wenn sich die Bürger darin überwiegend wohl fühlen. Alle werden es wohl nie tun, denn das hängt von den persönlichen Lebensumständen ab. Hamburg und München zu vergleichen ist schwer, weil beide mir auf ihre Art gefallen haben. Und sicher gibt es in beiden Städten Stellen die weniger schön sind.
Die Meinung der Herren Jung, Zilligen und Sahner ist für mich in keinster Weise entscheidend für mein persönliches Empfinden und Urteil.


neutral

Sonntag, 16. März 2008, 12:38:03

Bernd Michalski aus Düsseldorf: Kreatives, zeitgeistiges Düsseldorf? Skepsis ist angezeigt.

Was Herr Zilligen sich unter der wahnsinnig aufregenden Kreativszene u.a. in Düsseldorf vorstellt - ich ahne es nur.
Wohne zwar in der "Landeshauptstadt" - die es nötig hat, diesen Status auf ihren Ortseingangs-Schildern zu verkünden - und wahrscheinlich verkehre ich in den falschen Vierteln und Kreisen, aber irgendwie überkommt mich immer wieder der Eindruck, die super-weltoffene, super-kreative Szene ...

> trifft sich in diversen In-Locations und inszeniert sich nicht immer zielsicher,
> macht angestrengt auf "Wir sind halt doch was ganz besonderes",
> parkt mit dem Touareg in der Grünfläche, damit es nicht so weit ist bis zur gerade angesagten Schicki-Micki-Gaststätte.

Oder z.B. das Publikum in der "Tonhalle": Schrecklich gemischt spießig und aufgeblasen. Vielen Dank auch - da geh ich lieber in Köln ins Konzert.

Apropos: In D'dorf reicht es ja nicht mal zu einem anständigen CSD-Umzug.

Also: Die Stadt hat ja ihre Vorzüge. Viel Grün z.B. + der Rhein. Aber die tolle Szene? Na ja.


neutral

Sonntag, 16. März 2008, 12:35:05

Hendrik Groth aus Sao Paulo: Sehr, sehr kühn

Es scheint nicht nur sehr kühn, es ist wirklich kühn, aus Düsseldorf oder München Wertungen über Hamburg abzugeben. Düsseldorf ist es in Jahrzehnten nicht gelungen, ansatzweise eine Landeshauptstadt-Status zu erringen. Und über das Dorf München muss man erst gar nicht reden. Beide Städte werden von Oberflächlichkeit und Provinz dominiert.

Klar ist so ein Pro und Contra eine einzige und dann auch witzige Provokation, aber ein wenig Realismus schadet auch nicht, anstatt nur uralte Klischees weiterzuverbreiten. Irgendwie typisch deutsch.
Beste Grüße Groth


contra

Samstag, 15. März 2008, 22:33:32

Heinrich Thomsen aus Itzehoe: Das schleppt sich so dahin

Leider fehlt zum Thema Städteranking hier jeglicher Schwung.
Da wird auch ein betagter Herr aus Münschen, Herr Sahner, nicht für Belebung sorgen. Auch wenn er sich Mühe gibt. "Die Bunte" ist allerdings in gewisser Weise durchaus als kreatives Medium anzusehen.
Und Werbeagenturen als "Kreative" einzustufen, ist schon recht gewagt - auch wenn ab und zu mal aus deren Büros ein lustiger Werbetext oder -film kommt.
Kreative, das sind Künstler, Regisseure, Politiker (!) und Kaufleute (!), Wissenschaftler...
Werbeagenturen sind die Laufburschen der Wirtschaft, sie ölen und machen kosmetische Aktionen.


Herausgegeben von Werner D'Inka, Berthold Kohler, Günther Nonnenmacher, Frank Schirrmacher, Holger Steltzner

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