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Hamburg ist der Sieger der Herzen
München und Stuttgart sind die lebendigsten Städte. Das sagt die Statistik der F.A.S. Hamburg und Berlin sind viel sympathischer. Das sagt das Gefühl der Leser.
Georg Meck
Die Leser haben gesprochen: Hamburg ist die sympathischste Stadt Deutschlands. Zugegeben, repräsentativ ist das Ergebnis nicht. Das Resultat spricht jedoch für das Selbstbewusstsein der Hansestadt. Von den Fakten aus der F.A.S.-Studie, in der Hamburg schlechter abgeschnitten hatte, ließ man sich dort so wenig erschüttern wie durch die davon ausgelöste Diskussion im Internet. Hamburg werde maßlos überschätzt, war dort zu lesen. "Geklonter Individualismus" und ein "Standesdünkel ohnegleichen" wurden angeprangert. "Der letzte kulturelle Beitrag Hamburgs war Karl Lagerfeld. Und der lebt seit Jahren in Paris", spottete Werber Rolf Zilligen, Chef von BBDO in Düsseldorf. Aller Widerstand half nichts: Hamburg ist der Sieger der Herzen. Das zu Tausenden votende Volk schob die Hansestadt von Platz drei im F.A.S.-Ranking auf Platz eins.
Vor vier Wochen haben wir die
Studie vorgestellt, die wir in Kooperation mit der Unternehmensberatung Roland Berger erstellt haben: Welches ist die lebendigste Stadt Deutschlands? Wohin zieht es die kreative Klasse? Zehn Städte haben wir anhand von drei Kriterien bewertet: Technologie, Talent und Toleranz. In dem Ansatz, angelehnt an den amerikanischen Urbanisten Richard Florida, wählten wir einen sehr weiten Begriff für die kreative Klasse: Dazu zählen Rechtsanwälte, Investmentbanker, Ingenieure, Wissenschaftler, Modeschöpfer, Chefärzte, auch Werber – aber eben nicht nur. Das hat zunächst manchen verstört. Gewonnen hat in diesem Wettbewerb München, wovon die zur Selbsgefälligkeit neigenden Bayern am wenigsten überrascht waren ("Schon wieder Erster"). München polarisiert, so viel wurde in den Foren auf faz.net schnell klar, fast so sehr wie der FC Bayern.
Jede Menge Fotos, Gedichte, Essays und Videos
"Gib Deiner Stadt ein Gesicht", hatten wir die Leser aufgefordert. Viele Gesichter aus vielen Städten haben wir erhalten. Jede Menge Fotos, Gedichte, Essays, Videos. Und natürlich wurde in den
Pro&Contra-Foren gestritten. Was für die Lebensqualität entscheidender ist, die in München erfundenen Patente oder der Geist der Toleranz, der durch Berliner oder Hamburger Kneipen weht. Das
Nachtleben der Hansestadt scheint unschlagbar, meldeten die ausgesandten Kollegen, als sie aus dem Schanzenviertel nach Frankfurt zurückkehrten.
Dass die Stadt der Banken notorisch unterschätzt wird, gehört zum Allgemeingut. Den Verdacht,
Frankfurt sei die Hauptstadt des Selbsthasses, hat die Aktion erschüttert: Aus keiner Stadt gingen so viele lokalpatriotische
Fotos ein wie aus Frankfurt. Überrascht haben uns die Reaktionen aus Stuttgart. Natürlich, so nehmen wir an, war man dort stolz, auf Platz zwei im F.A.S.-Ranking zu landen. Aber was tun die Schwaben? Statt siegestrunken über den Schlossplatz zu tanzen, bruddeln sie, sie hätten es immer schon gewusst: "Stuggi ist cool." Und wer sich darüber wundert sei ein hoffnungsloser Fall. Na ja. Der Rest der Republik sieht das anders: Das Publikum straft Suttgart mit dem siebten Rang.
Die Beleidigten verschweigen wir aus Gründen der Diskretion
An dieser Stelle muss erwähnt werden: Es gibt auch unzählige schöne Ecken in der Provinz, auch in den Orten, die alles andere sein wollen als Provinz. Aus Gründen des Diskretion verschweigen wir die Städte, die sich beleidigt gemeldet hatten ob des Unrechts, das ihnen ihrer Meinung nach angetan wurde: Warum gehören wir nicht zu den zehn lebendigsten Städten, beschwerten sie sich. Was hat Mannheim, was wir nicht haben? Vielleicht die Pop-Akademie, vielleicht auch die ökonomische Potenz einer Region mit Konzernen wie BASF und SAP. Eines jedoch ist nicht zu ignorieren: Mannheim hat es schwer. Populär ist das Stadt nicht, schließen wir aus den – wie gesagt nicht repräsentativen – Reaktionen der Leser.
Zum Trost: Düsseldorf ist noch unbeliebter. Tief getränkt nahm die Stadt zur Kenntnis, dass sie im Kreativitätsranking nur den siebten Platz belegte. In der
Abstimmung der Leser kam es noch dicker: Düsseldorf wurde Schlusslicht. Die Werber am Medienhafen haben viel zu tun, wollen sie ihrer Stadt helfen. Zumal einer der Stars der Branche, Holger Jung, eine wahre
Hymne auf Hamburg schrieb: "Hamburg ist lebendig, echt, perlend, stilsicher. Hamburg ist die schönste Stadt der Welt." Wir werden das zu gegebener Zeit prüfen.
Kommentare
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Sascha-Andre´ Liehr schreibt: Be your city !
Gratulation nach Hamburg & Gratulation an die FAZ für die Aktion der "lebendigsten Städte". Trotz allermöglichen Kritiken an der Substanz des Rankings bleibt eines klar, das Thema Städte & Metropolen in Deutschland bietet Diskussionsstoff.
Bleibt zu hoffen, das in Zukunft mehr über das Leben in deutschen Großstädten berichtet und erzählt wird. Das Land & seine Chefredakteure haben hier enormen Aufholbedarf. Urbane Zivilisation prägt seit je her die Menscheit und gehört auch in Good old Germany an die Spitze des kulturellen Diskurses.
Gruß aus Berlin.
Jens Schmidt schreibt: Keine Überraschung, dieses Ergebnis ...
... jeder fragt mich, warum ich von Hamburg nach Frankfurt gezogen bin. Paradoxerweise scheinen die Wahrzeichen, die für das Image des ökonomischen Erfolges stehen, auf die Außenwahrnehmung der Lebensqualität einen eher negativen Effekt zu haben. Die Leuchttürme der Hochfinanz in Frankfurt werden mit gierigen Bankern assoziiert, die Königsallee in Düsseldorf mit versnobt-oberflächlichen Neureichen.
Dabei nimmt erst derjenige, der sich mit diesen Städten näher befasst oder in ihren lebt, ihre sympathischen Seiten wahr, wie eine gute Kneipenkultur. Und stellt fest, dass in ihnen auch nur ganz normale, mehr oder weniger nette Menschen leben. Und auf die kommt es letztlich an - denn wie hat der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt einmal so schön, ja "salomonisch" gesagt? "Heimat sind nicht die Häuser, sondern die Menschen.
Aber da Frankfurts Fläche ja sehr überschaubar ist, hat es auch sein Gutes, dass nicht alle Deutschen hier leben wollen - das wäre nämlich gar nicht möglich.
Manfred Sauer schreibt:
.... da hast du recht: "..gut dass nicht alle deutschen hier leben wollen..." , denn dann: "armes deutschland".
...auch mit der lebens-/kneipenqualitaet kann ich dir recht geben, sofern du in st.pauli/schanze gewohnt hast oder nach z.b. sachsenhausen gezogen bist.
..und vor allem hast du/der vorsitzende der juedischen gemeinde recht, dass die menschen eine heimat sind.
karl valentin sagt dazu: "fremd ist der fremde nur in der fremde".
Marco Pino schreibt: die Üblichen Verdächtigen
Liebe FAZ, ich kann Euch leider nicht nur Lob über diese Studie aussprechen. Wer so viel in das Äussere investiert, hätte ruig auch ein bischen mehr auf den inhaltlichen Tiefgang verwenden dürfen.
Unterm Strich werden hier die gleichen nervenden und zumeist falschen Klischees gepflegt, die man in jedem Käseblatt findet: München ist am besten, Stuttgart beinah auch. Hamburg ist am coolsten, aber Berlin irgendwie noch mehr. Köln ist schwul, und in Frankfurt wird nur Geld verdient.
Wahrlich desaströs: die fatale Umsetzung der Umfrage, in der jeder so oft teilnehmen kann, wie er will. Das Hamburg und Berlin mehr Einwohner haben stehtals Mannheim oder Düsseldorf hält Euch FAZler nicht davon ab, Euren Trugschluss auf der Startseite von FAZonline zu drucken. Peinlich.
Und wie trügerisch Eure Schlüsse sind zeigt das Detail: Hambuger Nachtleben das beste? Wenn man auf Ballermann und Schlager vielleicht... Freunde guter Tanzmusik zB bekommen anderswo viel mehr geboten. MfG Marco/FFM
Manfred Sauer schreibt:
....kommt immer drauf an WAS man sucht, lieber Marco.
ich weiss ja nicht in wie weit deine kompetenz als "staedtebeurteiler" reicht, dafuer muesstest du (in meinen augen) schon ein paar jahre in jeder der in frage kommenden gelebt haben..., aber ueberleg mal WOHER die klischees kommen, die du (selbst!!) zitierst !! -- mir ist bisher nicht aufgefallen, dass koeln schwul ist, das ist eher in HH der fall (ok., da gibts auch mehr davon...); geld wird auch (und vor allem) in HH verdient (...schon mal was von den "pfeffersaecken" gehoert ??); dass berlin cool ist wissen wir, denn sonst waere der regierungssitz woanders...
schlager/tanzmusik bis zum abwinken gibts bei "Crazy Horst" (schwuler besitzer, freund von mir) und bei "Karins Eck", oder im "Goldenen Handschuh", manchmal auch im Cafe Keese (, oder bis vor kurzem) im "Cult"....
muenchen ist leider nicht am besten, sondern nur teuer, (kleiner tip: geh in die "Tomate" und nicht ins P1, sofern es das eine oder andere noch geben sollte)
Manfred Sauer schreibt:
...p.s.: hat schon mal jemand geguckt, wieviele bilder/meinungen zu "geben sie ihrer stadt ein gesicht" im verhaeltnis zur einwohnerzahl derselben eingegangen sind ?? und/oder wer wieviele bilder/meinungen eingesandt hat ?? -- wenn ich richtig gezaehlt habe, sinds in berlin ca. 30, in HH ca. 22, in d.dorf 8, in leipzig 7 usw. dabei nicht gerechnet die mehrfachtaeter, die mehr als einen beitrag eingestellt haben. das bringt mich zu dem schluss, dass ein millionen-publikum nicht erreicht wurde, weil kaum einer die FAZ online liest (warum sich dann ueber die schlagzeile aufregen Marco?, hast ja sonst auch nix mehr gesagt...), oder dass kaum einer was zu sagen/zeigen hat, oder nicht ueber die techn. mittel verfuegt was zu sagen/zeigen, oder (wahrscheinlich der hauptgrund), dass es kaum einen interessiert, denn sonst waere in diesem forum hier wesentlich mehr los (gruss an Sasha-Andre). schade eigentlich.
Stefan Maier schreibt: Roland Berger
... ist so neutral wie sein Bekenntnis zu seinem Standort. ;-)
Gruß aus Ffm