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Der große Unterschied zwischen europäischen und amerikanischen Städten
Richard Florida hat seine Creative-Class-Theorie für Amerika entwickelt. In Europa müssen Technologie, Talent und Toleranz anders gemessen werden - sagt
Björn Bloching, Projektleiter für das Städteranking bei Roland Berger.
Mit seinen Arbeiten zur "Creative Class" in den Vereinigten Staaten hat Richard Florida der Stadtentwicklung neue Impulse gegeben. Das Herzstück seiner Theorie sind die drei T: Technologie (Wirtschaftsstruktur), Talent (Humankapital) und Toleranz (kreative Lebensqualität). In einer prosperierenden Stadt, so Floridas Erkenntnis, stehen diese drei T in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander.
Mittlerweile greifen auch Städte in Europa auf Floridas Arbeiten zurück, um eigene Schwächen und Stärken zu ermitteln und Strategien für ihre Zukunft zu entwickeln. Das ist nicht ganz einfach. Zwar gilt Floridas Creative-Class-Theorie im Grunde auch für Europa, doch unterscheiden sich Städte in Europa und Amerika enorm. Diese Unterschiede müssen berücksichtigt werden.
In Europa findet Innovation nicht in Start-Ups statt, sondern in etablierten Unternehmen
Im Bereich Technologie zeichnen sich amerikanische Regionen und Städte dadurch aus, dass es einzelne Hochtechnologiezentren gibt, die sehr konzentriert sind und üblicherweise zur Weltspitze gehören. In Europa trifft man eher auf breit aufgestellte industrielle Zentren. Ausschlaggebend hierfür ist unter anderem die frühe Förderung von Clustern in Amerika. Die Hochtechnologieregionen sind außerdem weit weniger mit angestammten Industrien verzahnt als in Europa.
Auch der technische Fortschritt entsteht unterschiedlich. Während in Amerika junge, mit Risikokapital finanzierte Unternehmen den Fortschritt vorantreiben, findet in Europa ein großer Teil der Innovationen in etablierten Unternehmen statt. In Europa müssen deshalb andere Kriterien herangezogen werden, um die technologische Stärke einer Stadt zu bestimmen. Zwar sind auch High-Tech-Gründungen eine wichtige Messgröße, jedoch spielen Kriterien wie die Intensität von Forschung und Entwicklung etablierter Firmen oder Patentanmeldungen eine ebenso wichtige Rolle.
Das Talent ist in Europa besser verteilt
Auch das Talent, also das Humankapital, ist in Europa anders verteilt als in den Vereinigten Staaten. Dort existieren einige wenige Universitäten von Weltruf, denen viele bestenfalls mittelmäßige Institutionen gegenüberstehen. In Europa ist das Netz guter Hochschulen dichter, und die Qualitätsunterschiede sind geringer. Damit sind die Talente schon von der Ausbildung an besser über die Städte verteilt. Während Richard Florida außerdem aus der Masse an Amerikanern die "Kreativen" heraussortieren musste, ist das in Europa nicht notwendig. Hier bilden Menschen mit tertiärem Bildungsabschluss den Großteil der (kreativen) Leistungselite. Ihre Anzahl und Dichte kann als eine zentrale Messgröße für "Talent" verwendet werden.
Der größte Unterschied findet sich bei der Toleranz oder kreativen Lebensqualität. Während in Europa innenstädtisches Leben, subkulturelle Viertel und kulturelle Aufgeschlossenheit zu den bestimmenden Elementen einer Stadt gehören, gelten in Amerika schon Städte als "tolerant", die beginnen, ihre Innenstädte wiederzubeleben. Nur einige wenige Metropolen wie New York oder San Francisco weichen davon ab. Auch dass der tolerante Umgang mit Homosexuellen für Richard Florida ein zentraler Indikator für die Kreativität und Modernität einer Stadt ist, muss vor dem Hintergrund eines breiten Konservatismus in den "alten" Städten Amerikas gesehen werden.
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