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Montag, 23. November 2009

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Investoren suchen deutsche Firmen

Der Aufschwung der Wirtschaft kam 2006 überraschend. Ebenso überraschend könnte er enden. Mehr Anzeichen sprechen aber dafür, dass deutsche Firmen heute für Krisenzeiten besser gewappnet sind.

Von Georg Giersberg


FRANKFURT, 30. Juni. Deutschlands Unternehmen hatten noch nie so volle Auftragsbücher wie derzeit. Finanzmarktkrise, Energiepreissteigerungen in nie gekanntem Ausmaß und die Stärke des Euro haben der deutschen Wirtschaft bisher nur wenig Schaden zufügen können. "Die deutsche Industrie hat im internationalen Vergleich durch frühzeitige Konsolidierungsmaßnahmen ihre starke Position erhalten", schreibt das Münchener Ifo-Institut. Die Ertragszahlen der Großunternehmen in dieser Ausgabe belegen das. So ist die Umsatzrendite der einhundert größten Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen von durchschnittlich 4,4 auf 5,4 Prozent gestiegen. Die Nettogewinne stiegen um 17 Prozent bei überwiegend gleichgebliebenen Umsätzen. Damit haben Deutschlands Unternehmen ihre Ertragskraft weiter ausgebaut; eine angesichts der den Export bremsenden Dollar-Situation beachtliche Leistung. Und bisher geht die Mehrzahl der Analysten davon aus, dass es zwar zu Gewinnrückgängen, aber nicht zu dramatischen Gewinneinbrüchen kommen wird.

Anzeichen für eine Konjunkturabschwächung

Obwohl das erste Quartal den deutschen Unternehmen eine wider Erwarten gute Konjunktur bescherte und in den vergangenen Wochen selbst der darniederliegende Markt für Beteiligungen und Übernahmen wieder an Dynamik gewonnen hat, gibt es doch eine Reihe von Anzeichen, die auf eine Abschwächung der Konjunktur schließen lassen. Noch werden insgesamt mehr Stellen geschaffen als vernichtet, aber der Überhang der neuen Stellen schrumpft, und bei den Großunternehmen werden derzeit mehr Stellen gestrichen als neu eingerichtet. Das ist bei den Banken so und bei den Fluggesellschaften nicht anders. Kleine und mittlere Unternehmen, die aufgrund der weiterhin guten Auftragslage noch einstellen, berichten in diesen Tagen davon, dass wieder mehr Kandidaten zur Verfügung stünden. Der Arbeitsmarkt sei dabei, sich vom Arbeitnehmer- wieder zum Arbeitgebermarkt zu drehen. Inwieweit das alles Anzeichen eines drohenden Abschwungs oder nur eines sich verlangsamenden Wirtschaftswachstums sind, ist derzeit nicht zu beantworten. Gerade im Produzierenden Gewerbe setzen sehr viele Unternehmer und Manager auf die weiterhin stabile Nachfrage aus den Schwellenländern, vor allem aus Indien und China.

Der Wohlstand steigt weiter

Hinzu kommen weitere Anzeichen dafür, dass das gute Konjunkturklima grundsätzlich anhält. Dazu gehört eine Studie der Barclays Bank über die Entwicklung des nationalen Wohlstands der Nationen. In dieser Studie, die das Gesamtvermögen der privaten Haushalte als Wohlstandsmesser verwendet, kann sich Deutschland nicht nur behaupten, sondern sich als einziges europäisches Land in den kommenden Jahren noch verbessern. Zwar wird sich danach China nach den Vereinigten Staaten und Japan auf Rang drei vorschieben, aber dann kommt Deutschland, das sich vor Frankreich und Italien schiebt. Deutschland, so die Experten des Forschungsinstituts Economist Intelligence Index, das die Studie für die Bank ausgearbeitet hat, profitiere von seiner robusten Infrastruktur, der starken industriellen Basis und den gut ausgebildeten Arbeitnehmern. Hinzu komme, dass in Deutschland die Immobilienpreise relativ niedrig seien. Hier gebe es noch Spielraum nach oben im Gegensatz zu vielen anderen Ländern, in denen die Immobilienpreise fallen werden.
Positiv für Deutschland fällt auch eine jüngste Befragung über die attraktivsten Wirtschaftsstandorte der Welt aus, die die Wirtschaftprüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young jährlich vorlegt. Danach fällt Deutschland als attraktivster Investitionsstandort der Welt zwar leicht zurück, zählt aber als einziges westeuropäisches Land noch zu den zehn attraktivsten Investitionsstandorten in den Augen von 834 befragten internationalen Unternehmen. "Standortentscheidungen richten sich vor allem nach Infrastruktur, Marktnähe und Qualität der Telekommunikationseinrichtungen", begründet Peter Englisch, Partner von Ernst & Young, das gute Abschneiden Deutschlands als internationaler Produktions- und Innovationsstandort. Man traue Deutschland eine hohe Innovationskraft zu, aber leider nur eine geringe Umsetzungskompetenz, wie Englisch hinzufügt.

Chinesen suchen europäisches Know-how

Eine steigende Nachfrage nach der Übernahme europäischer und vor allem auch deutscher Unternehmen verzeichnen die Übernahmeberater. Vor allem aus Asien steige die Nachfrage deutlich. Auch dabei stehe der Erwerb von technischem Wissen und Können im Vordergrund, aber auch die Übernahme von Wissen in der Führung internationaler Unternehmen mit vielen ausländischen Gesellschaften. Die Kompetenz, globale Unternehmen zu führen, ist eine Stärke deutscher Unternehmen. Die historisch gewachsene internationale Verflechtung ist es auch, die zur Stabilität deutscher Unternehmen beiträgt.
Ein Ausweis dieser Stabilität sind die Tabellen zu den größten Unternehmen, die die Frankfurter Allgemeine Zeitung in diesem Jahr zum 50. Mal veröffentlicht. Es sind eher kleine Veränderungen gegenüber dem Vorjahr zu beobachten. Sowohl in der Industrie als auch bei den Dienstleistungsunternehmen haben die marktgrößten Teilnehmer ihre Plätze getauscht. Nach dem Verkauf von Chrysler musste Daimler seine führende Stellung als umsatzstärkstes Unternehmen an Volkswagen abtreten. Bei den größten Dienstleistungsunternehmen hat die Deutsche Post die Deutsche Telekom auf Rang zwei verdrängt. Stark gefallen in der Liste ist die aus der ehemaligen Ruhrkohle hervorgegangene Evonik. Als RAG belegte sie vor einem Jahr noch Rang 13 der Industrieunternehmen. Nach der Abspaltung der Evonik (Chemie) belegen die Evonik Rang 19 und die RAG nur noch Rang 65. Größere Veränderungen als in der Umsatzstatistik (siehe Seite 2 dieser Beilage) gab es in der Börsenbewertung (Seite 9 dieser Beilage). Dort hat Daimler nicht nur einen Rang, sondern gleich vier Plätze verloren und findet sich nur noch auf Rang 8 wieder. Dagegen beurteilen die Anleger Volkswagen heute (Rang 3) wesentlich besser als vor einem Jahr (Rang 11). Stark gefallen ist Arcandor (früher Karstadt), die 25 Plätze auf Rang 75 eingebüßt haben. Einer der größten Aufsteiger aus Börsensicht ist dagegen die SGL Carbon, die von Rang 97 auf Rang 61 kletterte.
Interessant sind Veränderungen im Laufe der vergangenen 50 Jahre (siehe Seiten 6, 7 und 8 dieser Beilage). Es sind einst große Namen von der Liste verschwunden, darunter AEG, Hoechst oder Borgward. Viele andere Unternehmen sind aufgekauft worden. Insgesamt kann die deutsche Unternehmenslandschaft aber auch über einen Zeitraum von fünf Jahrzehnten eine große Stabilität aufweisen. Volkswagen, Daimler und Siemens gehörten über den gesamten Zeitraum zu den umsatzstärksten deutschen Unternehmen.

Herausgegeben von Werner D'Inka, Berthold Kohler, Günther Nonnenmacher, Frank Schirrmacher, Holger Steltzner

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